Über den Zauber der Musik

Es war ein kleines Wunder. MEIN persönliches Wunder des Tages. Denn plötzlich lag es in meinen Händen: ein Buch, in dem ein Erfahrungsbericht eines Musiktherapeuten mich zutiefst berührte.

Und ehe ich mich versah, strahlte es IN mir. Denn ich sah sie vor mir:

Sie, das war eine hochbetagte, ältere Dame. Über 90 Jahre verweilte sie auf dieser, unserer Welt. Viel hatte sie gesehen, gehört, ja, auch gespürt.

Die Demenz und gewiss auch das ein oder andere Kriegstraumata, so die Prognose des Pflegeteams schien sie im wahrstem Sinne des Wortes … sprachlos gemacht zu haben. Oft versuchte ich nonverbal mit ihr zu kommunizieren. Doch… es fühlte sich so… unbefriedigend an.

Eines Tages, die Sonne schien herrlich- und so öffnete ich die Türen  der Gemeinschaftsterrasse unserer Station weit, zupfte einige Töne auf meiner Gitarre, stimme die ein oder andere alte Weise an, improvisiere etwas. Zunächst selbst etwas unsicher, da noch totale Anfängerin, doch ich spürte, dass nach und nach…die Runde größer wurde. Zaghaftes Summen erfüllte die Luft. Leute lassen sich nieder,atmen durch, ja, fast, als würde die Zeit für eine Weile still stehen. Der Gesang wird lauter, mutiger. Die Dymnamik steckt an. Die Freude überwindet die Unsicherheit vor schiefen Tönen. Liederwünsche werden geäußert, manches wird a capella angestimmt. Lachen. Gelöstheit. Nach einer guten Stunde leite ich sanft und tief bewegt das Ende der heutigen Singrunde an. Im Zusammenräumen meines Materials dann höre ich es:

Ein hauchzartes Stimmchen, welches noch voll „drin“ zu sein scheint. Sie schien erst später von einer Kollegin in unsere Nähe geschoben worden zu sein- in ihrem Rolli sitzend saß sie etwas abseits vom Geschehen.

Ich blicke auf – und sehe sie. Tränen laufen ihr über die Wangen- doch… sie strahlt- und schaut mir direkt in die Augen. Ich bekomme ein Gänsehaut. Und so setze ich mich zu ihr. Ergänze ihre Melodie. Sie ergreift meine Hand- und gemeinsam wiegen wir uns in dem Zauber des Moments. Vielleicht auch der Erinnerungen…?

Diese und noch manch eine andere Begegnung haben etwas in mir zum (Wieder-)Erklingen gebracht. Es ermutigt mich, den Weg zu gehen, welcher schon lange in mir brodelt… Halleluja !!!

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Tagesausklang

  • Kerzenschein nach einem wirklich herzlichen Treffen mit einer Glaubensschwester
  • heißes Ingwerwasser auf Oma´s kunterbunten Stöfchen liebevoll umwärmt, genossen aus der Tasse, die mir die Borkumer Organistin als Erinnerung an über 1,5 Jahre gemeinsames musikalisches Agieren geschenkt hat
  • Tränen der Rührung inklusive musikalischen Orgasmus Dank eines spontanen Telefon- Konzerts eines befreundeten Organisten…

Kann ein Tag angenehmer enden ?!

Generalprobe

Sie sind wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht:

Morgen wird es „ernst“: für die diesjährige WeihnachtsCD der Hörzeitung bat man mich, neben dem Verlesen einer Geschichte (juhuuu, endlich wieder etwas einsprechen !!) den musikalischen Part zu übernehmen…
Tja, und morgen Vormittag wollen wir das Experiment Musikproduktion wagen.
Spannend dürften da nicht nur die akustischen Rahmenbedingungen werden, denn offen gesagt bin ich freudig- nervööööösss wie ein Kind kurz vor der Bescherung 😉
Und so schwelge ich noch gedanklich in Passagen von Telemann, Händel, Corelli oder ähnlichem und summe mich heute verträumt- lächelnd in den Schlaf…

Nachtrag:
Nach über 3 Stunden intensiver Produktionsbasteleien (war gar nicht so einfach, das Mikro sowie Mischpult und Co qualitativ quasi zu „überzeugen“, dass diesmal statt einer Sprechstimme Instrumente zu hören waren) und vieler,vieler spannender technischen Lehreinheiten sowohl für mich als auch dem Techniker verließ ich das Studio sehr glücklich- denn scheinbar konnte ich überzeugen. Der Techniker kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und meinte hinterher noch ganz kleinlaut zu mir, dass er mir das gar nicht zugetraut habe… (Nun, wie heißt es doch so schön: Stille Wasser sind tiiiieeeff….^^) 🙂
Mit dem (vorläufigen) Endergebnis bin ich sehr zufrieden: gleich 5 Stücke konnten eingespielt werden; unter anderem von Tschaikowski, Vivaldi und Händel. Erstaunt hat es mich, dass besonders die Sopranblockflöte Anklang fand- aufgrund der doch relativ hohen Tonlagen vermutete ich, es würde schnell zu schrill werden- doch meine „Kleine“ bewies mir auf beinahe magische Weise das Gegenteil. So bekam sie gleich 4 Stücke zugeteilt und mit der „Alten“ wurde es eins.
Auch in persönlicher Hinsicht bin ich sehr überrascht von mir- denn zugegebenerweise habe ich zwar „Trockenübungen“ gemacht- doch richtig geprobt nicht so wirklich. Da die Blockflöten seit über 2 Jahren im Tiefschlaf lagen, nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für Studioaufnahmen…ob das gut gehen würde?
Doch je mehr ich im Studio spielte, desto selbstsicherer wurde ich. Mehr und mehr baute ich Triller und andere Verzierungen ein und viele, viele tolle Erinnerungen an meine gut 18jährige Blockflötenpraxis kamen zurück. Und auch, als einmal kurz die Konzentration mir einen kleinen Streich spielte, entwickelte ich nach und nach auch gegenüber MIR eine gewisse Lockerheit.
Ich bin gespannt, wie die Stücke ankommen werden bei den Hörern. In gut zwei Wochen kommen noch die Kurzgeschichten der Sprecher dazu und dann geht es auf Reisen, unser Weihnachtspräsent…