Schlussstrich gezogen

Manche Entscheidungen sind sehr schwer zu treffen. Diese gehörte definitiv dazu:
Vor gut einer Woche habe ich nach monatelanger Grübelei dem technischen Leiter der Hörzeitung meinen Schlüssel überreicht und bekannt gegeben, dass ich diese Runde verlassen werde.
Erstaunte Blicke folgten. Und ich atmete tief aus und antwortete…
Was war geschehen?
Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte war eine Handlung auf einem Grillfest der Truppe, welches Ende Juli statt fand.
Dort zauberte einer der „alten- Hasen“-Sprecher einen Kassettenrekorder aus seiner Tasche und spielte ein laut rauschendes und verzerrtes Tape von vor über 20 Jahren vor, auf welchem die damaligen Sprecher in Versform vorgestellt wurden.
Prinzipiell gewiss eine gute und herrlich nostralgische Idee- jedoch fehlte komplett der Bezug zur Gegenwart; das 21. Jahrhundert- und ein Großteil dieser dort vorgestellten Sprecher waren entweder schon lange nicht mehr im Team dabei oder sogar bereits verstorben. Die Tatsache, dass wir mittlerweile schon über 2 Jahre digital Aufnahmen tätigen, wurde somit auch wieder fleißig verdrängt.

Mir fiel im Hörzeitungsalltag immer wieder auf, dass ich gefrustet von einem „Dienst“ heim gegangen bin, weil ich nicht zufrieden war.
So kam es mehrmals vor, dass ich über organisatorische Änderungen nicht informiert wurde, so dass ich sogar wichtige Termine verschieben musste- um dann vor Ort festzustellen, dass wir im Technik-Team überbesetzt waren- und ich somit überflüssig.
Auch der qualitative Arbeitsansatz ließ leider mehr und mehr zu Wünschen übrig.
Etwa 80 Prozent der Sprecher sind über 70. Das spiegelte sich leider auch in dessen Stimmstabilität wider und somit später auch auf der Aufnahme. Auch,wenn ich mit dem Mischpult zwar noch etwas korrigieren konnte- Räusperer oder eine chronisch heisere Stimme lassen sich nicht einwandfrei „veredeln“. Für eventuelle Tätigkeitsveränderungen Einzelner oder prinzipiell Neuerungen am Grundkonzept war man ebenfalls verschlossen. Trotz des klar erkennbaren Fakts, dass die (zahlenden!) Abonnenten langsam aber sicher wegstarben, waren viele der Mitarbeiter der Ansicht, dass es „so“ doch wunderbar laufe. Umfragen nach Hörerzufriedenheit seien somit nicht notwendig, schließlich lief alles doch über 20 Jahre wunderbar- wieso nicht auch weitere 20 Jahre?? Tja, schade nur, dass die Zeit sich auch weiter gedreht hat…

Zwischenmenschlich tut mir diese Entscheidung, die ich gefällt habe, sehr weh. Ich liebte ein jeden aus der Truppe mit seinen ganz eigenen Charaktereigenschaften. Und gerade eben hat auch eine Technikerin angerufen, die spürbar betroffen war über meinen Weggang dort. Und gerade kullert auch ein Tränchen meine Wange herunter. Ich vermisse einige dort wirklich sehr und mir tut es auch leid, dass ich diesen Schritt gegangen bin.
Doch… er war richtig. Für mich. Denn auch ich muss Ja zu einem Projekt sagen, an dem ich mitarbeite. Das konnte ich hier nicht mehr.
Trotzdem blicke ich dankbar auf diese Zeit zurück. Sie war sehr lehrreich.

Endphase WeihnachtsCD

Die letzten Tage ging es in unserer kleinen Redaktion hoch her.
Ein Einsprechtermin jagte den nächsten, die SprecherInnen arbeiteten (meist) höchstkonzentriert und diesmal durfte auch ich endlich wieder einmal als Sprecherin hinters Mikro. Ich gebe gern zu- das Ergebnis hat mich sehr angenehm erstaunt:
Ein gut 11 Minuten langer Text wurde intoniert. Während der Aufnahme spürte ich mehr und mehr, mit welch einem Elan ich wirklich IM Text war- und als ich ein „frequenziell gestörtes Radio“ plötzlich rein via Stimme nachahmte, bekam der Techniker einen Lachanfall – ok, ich hätte ihn wohl besser vorwarnen sollen 🙂

Heute hingegen war die Arbeit für mich mehr als grenzwertig- vom Spaßfaktor her betrachtet. Wieder einmal Dank einer völlig falschen Auskunft des „Chefs“- dessen emotionale Auswirkungen ich in meiner Funktion als technische Leitung an der digitalen Schnittstelle wieder einmal ausbügeln durfte.
Nur durch vorsichtiges Motivieren und Interagieren gelang es mir, die Gemüter wieder einigermaßen zu beruhigen.
Zur Krönung des Tages fand ich mein eh schon scheintotes Fahrrad (über 18 Jahre alt dürfte es sein) nach Feierabend am Ständer liegend vor- die typisch ostfriesische Brise hatte sein Übriges getan, um es nun nur noch scheppernderweise fortbewegen zu können-ich hoffe, mir bald, bald wieder ein neues leisten zu können.

Die besten Versprecher

Zur allgemeinen Erheiterung anbei die besten Versprecher der Sprecher der kleinen, aber feinen Truppe rund um die Hörzeitung während der Aufnahmen:

„Der junge Volvo-Fahrer drängte sich auf der Autobahn über den Strandstreifen an dem LKW vorbei…“

—- erste Korrektur


„Der junge Volvo-Fahrer drängte sich auf der Autobahn über den Sandstreifen an —ähh, hab ich wirklich SAND gesagt ?? Arghhhh…“

dritter Versuch:

„Der junge Sandbahn-Fahrer……Sandbahn?!! Wie jetzt?? Fräulein M. ich brauch ne Pause… dringend!! „

Und auch politisch lerne ich immer neue Dinge dazu:

“ Bei der Sitzung waren neben neben Guido Westerwelle auch die Bundesumweltministerin Angelika Merkel sowie (…) anwesend.“

Okok, my english isn´t very well (Herr Broken-Spirits wird das bestätigten können 😉 , jedoch
tun sich manche, besonders die Sprecher jenseits der 65 (welche den Hauptkern des Teams ausmachen) besonders schwer damit:

„Professor Dr.med. Ichbinwichtig unterstrich in seinem Vortrag die Unumgänglichkeit zur Durchführung gelenkschonender Sportarten wie Nording [WAlking], [Zeikeldings]-da ein Stotterer äh, „Sach ma M., Du bist doch so´n jung Deern- was soll´n Zeikelkrams sein??“]- dass damit Cycling (Radfahren) gemeint war… nun, wer sollte das schon wissen….

Und zuguter Letzt war da die noch recht junge Sprecherin, die die Veranstaltungen vorsortierte und dann heiter aufrief:
„Ha, DAS ist doch wirklich wichtig für die Hörer !!“– mir strahlend zunickte für die Aufnahme und las:

„Samstag, 2.2.2009, 21 Uhr, Theaterhaus Ganzbekannt: Erotikstück „Ganz oder gar nicht“– ein Abend rund um das schönste Thema der Welt. Karten unter…“
(In Anbetracht der Tatsache, dass die Hörer Generation 60Plus sind- ohja, ein ganz, ganz wichtiges Thema… quasi unumgänglich)

So prinzipiell habe ich die Truppe dort mittlerweile schon sehr ins Herz geschlossen. Aufgrund dessen, dass ich da das Küken bin mit meinen 28 Jahren werde ich besonders in den Pausen oft total vertütelt- und wurde gleich vom ersten Augenblick an ganz selbstverständlich im Team anerkannt.

Nur die momentan dort immer mehr auftretende Schusselköpfigkeit einzelner Teilnehmer verärgert mich manchmal schon.
Wie heute, wo ich mich mit dicker Schnotternase und ganz dünnen Stimmlein (ok, ich sitze ja nur am Mischpult^^) dorthin aufmachte- und von einem Kollegen empfangen wurde, der angeblich „unsicher gewesen“ sei, ob er mich gestern abend hätte anrufen können (äh, warum bitteschön nicht ??), um mich rechtzeitig darüber zu informieren, dass er heute meinen Dienst übernimmt.
In meiner langen Leitungshaftigkeit (wenn ich krank bin, sage ich fast zu allem Ja und Amen…) murmelte ich nur ein Ja, ok, passt mir super- schüttelte brav seine Hand und entschwand.
Mal sehn, vielleicht finde ich ja einmal einen etwas professionelleren Haufen…

Pseudoaufnahmen und Herzensmomente

Wie nah Freude und Traurigkeit beieinander liegen können habe ich heute erfahren.
Vormittags konnte ich endlich wieder nach sehr langer Pause als Technikerin für die Hörzeitung arbeiten. Es tat gut, die Truppe wieder zu sehen-und wie sehr sie sich über meine Anwesenheit freuten! Die Atmosphäre war spitzenklasse, eine weitere Sprecherin bot mir das Du an und sämtliche Artikel konnten ohne nennenswerte Pannen oder Endlos-Diskussionen aufgenommen und alsbald auf Reisen zu den Hörern geschickt werden. Während der Session wurde viel gelacht über kleinere Versprecher und delikate Überschriften. Und einen richtigen Lachanfall verursachte meine Pseudoaufnahme, auf welcher der Sprecher nur im Flüsterton zu vernehmen war. Merke: Ein Mikrophon funktioniert nur dann, wenn man den richtigen Kanal dafür öffnet 🙂
EDIT:
Besonders freuen konnte ich mich über das Kompliment einer Sprecherin,-sie ist ausgebildete Schauspielerin- die mich für meine vorgetragene Kurzgeschichte, welche einen Platz auf der WeihnachtsCD fand, lobte. Sie habe selten so viel Lebendigkeit und Facettenhaftigkeit in einer Stimme gespürt…

Anschließend folgte die traurigere Einheit des Tages- nur soviel sei öffentlich verraten:
ein jüngst eingeschlagener Weg ging heute offiziell zu Ende.
Die Hintergründe waren alles andere als angenehm und lassen mich an der Gerechtigkeit dieser Welt zweifeln und traurig den Kopf schütteln.
Da fällt Abschied nehmen schwer. Blicke können so unendlich mehr sagen als die tiefsten Worte. Seelenblicke.
Und doch bin ich sehr dankbar für diese Zeit.
Sie haben mich in vielen Lebensbereichen reifer und sicherer werden lassen.
So bekam ich- gewiss ohne dass denjenigen dies bewusst war- weitere Impulse für meine Exoticpläne, welche mehr und mehr am Wachsen sind. Es ist toll zu beobachten, wie der gestreute „Samen“ mehr und mehr zu leben beginnt….

Ordensstimmen

Nun ist schon wieder ein Tag fast um- und ich sitze vor meinem PCchen- und lächle zufrieden.

Ja, dieser Tag hat mir wirklich GUT getan!

Voller (kindlicher) Vorfreude frühstückte ich und mache mich wenig später auf den Weg: nach fast einem Monat Abstinenz hieß es heute endlich, endlich wieder einmal Technikerin spielen bei der Tonbandzeitung! Menscheskinners, was freute ich mich auf die Truppe!

Diese repräsentierte sich diesmal mit sehr dünner Besetzung- dünn in doppelter dreifacher Hinsicht, denn offen gesagt war die PC-technische Kenntnis des „Alt-Technikers“ *Hummelfuß*, welcher dort ebenfalls mehr oder weniger anwesend war und ab und an ins Studio schaute, ziemlich dünne. Leider traf dieses Attribut auch auf sein Nervenkostüm zu, so dass ich in diesem Bericht fast gar nicht anders kann, als ihn liebevoll*Hummelfuß* zu nennen.
Irgendwie war er heute einfach nicht bei der Sache; irgendwas „drückte“ ihn.
Dementsprechend chaotisch war dann auch der Anfang der Aufnahmeabläufe:
Wie ein Flummi irrte er dabei unruhig im Raum herum, schaute dann mal wieder bei mir, verdrehte genervt die Augen, weil eine Sprecherin mit ihrem sehr instabilen Stimmchen sich immer wieder räuspern und ich somit immer wieder neu aufspielen bzw. technisch interagieren musste. Gepaart mit zusätzlich wieder neu aufflackernden Diskussionen darüber, welchen Artikel wir nun aufsprechen sollen oder doch besser nicht und einer anti-Aufnahme-resistenten Hintergrundgeräuschkulisse Dank den wurschtelnden *Hummelfuß* war ich offen gesagt schon versucht, einfach aufzustehen und zu gehen. Auch,wenn wir keine Profis sind- aber zumindest etwas Qualität sollte man dann für die Hörer doch erarbeiten. Immerhin zahlen sie dafür ja auch. Also griff ich durch und bat *Hummelfuß*, als er wieder lärmte um etwas weniger Tatendrang und spielte ihm als „Beweis“ den letzten Teiltrack vor. Er wurde blass, entschuldigte sich und wurde dann nach und nach auch ruhiger.
Dankeswerterweise lief der Rest dann sehr gut und ich konnte eigenständig alles weiter koordinieren.
Besonders angenehm erschien mir die zweite Hälfte:

Manche Menschen hätten eigentlich einen Orden verdient für ihre Stimmen. *Engelszart* ist ein tolles Beispiel dafür.
Er hat eine herrlich warme, sanfte und doch unheimlich glasklare Stimme. Eine, in die ich mich einfach einkuscheln könnte. Stundenlang hätte ich ihm zuhören können- und jedes Mal, wenn ich eine Produktion fertig gestellt habe, kommt er zu mir, lächelt mich fast großväterlich stolz an und sagt: „Danke, M., das hast Du wieder wirklich toll gemacht!“ Und ich, die vor Verlegenheit immer wieder errötet und mich schüchtern bedanke.
*Hummelfuß* war hinterher übrigens auch sehr zufrieden und rief bei der Endkontrolle erfreut aus, dass ich das -Zitat- „wirklich genial“ gemacht hätte. Uff……nicht immer einfach, aber doch irgendwie toll…

Über nicht gezauberte Obstkuchen

Dienstagmorgen.
Freudig erwache ich, genieße meinen Vollkorntoast, schlürfe meinen Tee, werfe einen letzten Blick in meine Notizen und schwinge mich auf meinen Drahtesel Richtung „Studio“.
Endlich, nach fast einem Monat darf ich wieder Technikerin spielen beim Hörzeitungsprojekt!
Und ja, ich freue mich auch, all die mittlerweile vertrauten Gesichter wieder zu sehen…

Doch als ich den Aufnahmeraum betrete, sehe ich, dass da *Piiep* am Regler sitzt- eine Technikerin, die lange krank war- und scheinbar nun wieder „mit im Boot“ ist.
Ob ich heute hier bliebe in der Technik, weil eigentlich sie sich ganz gern wieder in die technischen Abläufe „reinwurschteln“ würde. Ehe ich antworten kann, kommt noch Techniker Nr. 2 um die Ecke, der „ja eigentlich auch da wäre“. Zwischendurch in all dem Kuddlmuddl wird halbherzig eine Aufnahme gemacht, logischerweise mit jede Menge Versprechern- wen wundert es bei dem Durcheinander.
Danach wird der „Dienstplan“ gezückt und ich gefragt, ob ich dann und dann könnte. Dabei fällt mir auf, dass sie es ja auch gar nicht wissen konnte, dass ich heut dran wäre, weil ich- trotz nun doch schon längerer Mitarbeit dort- immer noch nicht namentlich dort vermerkt bin.
Nach zwei,drei Aufnahmen fühlt sich *Piiep* scheinbar wieder sicherer und sie sagt, dass ich dann ja eigentlich- so ich wollte- gehen könne, sie käme zurecht.
Irritiert und offen gesagt etwas enttäuscht möchte ich mich verabschieden und stoße- um das Chaos noch perfekt zu machen- fast mit Techniker Nr. 3 zusammen, welcher gerade zur Tür herein kam und mich ganz irritiert fragt, warum ich gehen würde, ob ich nicht mit *Piiep*, weil sie sicherlich noch „sehr unsicher“ wäre nach der langen Abstinenz, das zusammen machen könne. *Piiep* lässt jedoch im Hintergrund zum wiederholtem Male verlauten, dass sie klar käme und Techniker 3 ja auch noch da und die Sprecherin (die eigentliche Hauptverantwortliche) fragt sichtlich genervt, ob wir „das“ nicht später klären könnten. (The show must go on !)
Techniker 3 schaut daraufhin etwas dumm zwischen *Piiep* und mir hin und her, „entlässt“ mich gnädig mit einem gemurmelten „Hmja, is eigentlich wirklich Blödsinn, hier zu zweit oder zu dritt zu hängen…“, lässt *Piiep* überflüssigerweise wissen, dass eigentlich ich heute Dienst hätte und fragt mich im gleichem Atemzug, ob ich denn nächsten Dienstag könne.
Ich sage (immer noch tapfer lächelnd, obwohl ich innerlich brodel) dass ich das noch nicht sagen kann, da ich das mit meinem Arbeitgeber absprechen muss, winke ich in die Runde und verabschiede mich zum nächsten fest vereinbarten Termin.

Als ich wieder draußen beim Fahrrad bin, bin ich offen gesagt froh, dass ich das mit dem Obstboden, den ich gestern eigentlich noch machen wollte für die Pause dort- quasi als „Krönung“ für meinen Job doch nicht gemacht habe.

Vielleicht täte ich doch besser daran, mich mal beim lokalen Radiosender hier zu erkundigen, ob die noch Leute gebrauchen könnten.
Vorausgesetzt, ich darf noch eine Weile in dieser Stadt hier bleiben…

Technik-Premiere-Protokoll

Die Nacht zu besagten Dienstag war unfreiwillig kurz.
Immer wieder drängten sich hartnäckig in meine Gute-Nacht-Lektüre Fragen rund um den morgigen Ablauf ein:
Wer war das nochmal, der morgen dabei ist? Ist überhaupt jemand dabei oder setzen die Dich da gleich ganz allein hin á la *Sie machen des schon, gelle jung´Deern ?!* Und ob ich des überhaupts packe da ??……..

Bis irgendwann doch das Sandmännchen kommt und mich ins Land der Träume entführt. Zu meiner Überraschung übrigens ohne jedliche Tonbandzeitungselemente sondern…………….. mhhh.. nee, das bleibt mein Geheimnis 😉

Einige Stunden später weckt mich zuverlässig wie fast immer das Radio.
Während des Guten-Morgen-Tees blättere ich nochmals in meinen Notizen, übertrage die wichtigsten Short Cuts nochmal lesbar, gehe gedanklich den Aufbau der Software durch- und mache mich mit pochendem Herzen auf dem Weg zum Impro-Studio.
Dort angekommen werde ich überraschend ruhig.
Was machst Du Dir eigentlich so ins Hemd?! Du kannst des doch alles, Mensch! denke ich bei mir. Is ja schließlich nicht das erste Mal, dass ich hier bin…
Selbstbewusst öffne ich also die Tür zur Redaktion, begrüße die Anwesenden . Der eine Techniker, Herr *69* erblickt mich, strahlt – und teilt den Sprechern nochmals offiziell mit, dass ich heute die Technik „übernehme“.
Und wieder denke ich:
Danke, so bekommt wenigstens gleich JEDER mit, wenn ich versagen sollte. Aber halt stop, das wird ja nicht geschehen, denn Madame Meinereiner kann des ja… Tschaaka…
Und so lächle ich und lasse meine Zuversicht erklingen:
„Na, aber Sie haben mich ja die letzten Male so gut eingearbeitet- das wird schon klappen…“ Herr *69* schmunzelt und erwidert: „Na, das wollen wir mal sehn, wiie gut diese Einarbeitung denn war…“
Und so schreiten wir zum Aufnahmeraum.

Gemeinsam-oder eher primär ich unter Anweisungen á la- „Dieses Kabel muss hier rein und dieses…“ bauen wir das Studio auf.
Hier merke ich dann doch, wie nervös ich bin.
Wenn mir jemand haargenau auf die Finger schaut- boah, das engt mich ein! Aber sowas von immens! Und Herr *69* besitzt auch so eine autoritäte Ausstrahlung, uff….
Und so schmunzle ich fast, als ich beinahe bereits am Öffnen des Laptops scheitere, weil ich den Mechanismus zum Aufklappen nicht finde (und das mir, die bis vor einigen Jahren selbst einen Laptop besaß!!) und mich wundere, dass die Mikros beim Testlauf nicht funktionierten- was sie auch nur können, wenn man den Aufnahmebefehl eingibt…. -klare Schusselfehlerchen!

Als ich dann allerdings am PC sitze, und ich den Dateipfad finde, mit dem wir arbeiten, werde ich spürbar ruhiger, ich atme erleichtert aus. Zeig ihnen, was in Dir steckt!
Herr*69*- übrigens ein sehr sensibler Herr- scheint dies zu spüren, erklärt mir noch schnell die Ablauforganisation der einzelnen Kapitel, klopft mir dann kumpelhaft auf die Schulter, zwinkert mir väterlich zu und sagt, er verdrücke sich erst einmal ein wenig zur Redaktion. „So kann man auch erst ma wieder etwas ruhiger werden…und Sie wissen ja, wie´s geht. haben Se sonst ja auch schon super gemacht…“
Kurzzeitig bin ich versucht, ihn dankeswerterweise zu umarmen- doch ich kann es mir gerade noch verkneifen- und glücklicherweise kommt gerade in dem Moment ein Sprecher um die Ecke, der mich da am PC sitzen sieht und sich verdutzt erkundigt:
„Ach, Sie sitzen heut hier?? Das is ja doll…“ (Ich hatte mit ihm vor knapp 3 Wochen vertretungsweise als Sprecherin agiert)

Und so ging das Programm dann los:
Prgramm einrichten, Stimmproben, Mikro einstellen, Kanal öffnen- und „Test, Aufnahme-Jetzt !“.
46 Min lang.
46 Min, in denen ich sehr erstaunt feststelle, wie sicher ich das Ganze schon koordiniere. Und mich irgendwann sogar traue, etwas aus meiner 1,5 Liter-Wasserflasche zu trinken, weil mein Kreislauf heut nicht so wirklich da ist. Kurz vor der „Halbzeit“ kommt Herr *69* wieder rein und gemeinsam überprüfen wir die Aufnahmen nach Räuspern oder Ähnlichem.
Dann Kaffeepause.
Im Tiefflug eile ich aufs Klo- die Anspannung ließ meine Blase doch ganz schön leiden- und auch mein Magen beschwert sich mit Krämpfen.
So verzichte ich besser auf den Kaffee, den man mir mehrmals („für den härtesten Job hier !“) anbietet, nuckel an meiner Trinkbottel und lausche gespannt dem Plausch- rund um irgendwelche Krankheiten und Zahnerneuerungen. Da schmeckt der Keks, den ich mir gönne, doch gleich doppelt so gut…

Kurz darauf gehts weiter mit den zweiten 46 Minuten, die ich auch weitestgehend allein manage. Sogar einen Artikel, den ich versehentlich im falschen Kapitel aufgenommen habe (weil mir keiner gesagt hat, dass nun die nächste Rubrik dran kommt), kann ich ins richtige verschieben und nach kurzer Anleitung des Herrn *69*, der genau im richtigen Moment aus der Küche zurück kam, ein zweites Problemchen schnell lösen.
Trotzdem dauert die zweite Hälfte länger, denn heute scheint Fiesling „Frosch im Hals“ unterwegs zu sein- die Sprecherinnen räuspern sich ohne Ende und mümmeln eine Lutschpastille nach der anderen.
So müssen viele Passagen wiederholt werden und das neu Aufsprechen zerrt an den Nerven der älteren Damen. Doch mit viel Geduld und Ruhe meistern wir auch diesen Holperstein.
Wenig später sind die Damen entlassen und ich überprüfe nochmals mit Herrn *69* den zweiten Teil- und schon rattert der PC die Daten auf die Festplatte und gleich darauf auf die CD, die an die Hauptredaktion in Holzminden geht.
Während des Brennens bauen wir ab und Herr*69* sagt lächelnd zu mir:
„Na, das hat doch schon sehr gut geklappt!“
Hmja, ich gestehe, da lief mir doch eine Gänsehaut über den Rücken- und strahlend fuhr ich gen Heim…