Über die Sehnsucht des Heimkommens

Es ist ein Werbespot, der uns berührte:

Einsame Weihnachten

Der alte Mann, von seinem Leben gezeichnet mit einer tiefen Sehnsucht  im Herzen. Der, zusammen zu kommen mit den Menschen, die ihm wichtig sind. Am Fest der Liebe; Weihnachten.

Selbstverständlich- die Macher dieses Spots spielen mit den gängigen Klischees: das Klischee der heilen Familie, des einsamen Menschen, welcher hier natürlich als alter Mann dargestellt wird. Alles unterlegt mit tragisch-emotionaler Musik und schwups- fertig ist das Kunstwerk.

Werfen wir einmal einen Blick auf die Realität:

Für wen wird es an den Feiertagen wirklich so harmonisch sein wie in dem Filmchen am Ende? Für wie viele, unzählige Menschen -unterschiedlichsten Alters übrigens!- wird es an den Feiertagen KEIN Happy End geben- und sie sitzen alleine daheim? Das ist hart und ein-mit Verlaub- bescheidenes Gefühl. Vielen macht es Angst. Mir offen gesagt auch ein wenig.

Fernab von dem Konsumirrsinn, der nun diese Tage rund um dieses Fest herrscht wünsche ich uns etwas viel, viel Elementareres als große materielle Geschenke:

Ich wünsche uns offene Herzen. Und offene Türen für die Menschen, die das Glück einer wohl gesinnten Familie nicht erleben dürfen. Warum nicht auch an den privaten Festtafeln?!

Ein gesegnetes Nikolausfest wünsche ich Euch…

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Über den Sinn des Schenkens

Dass die Weihnachtszeit immer konsumorientierter wird, ist leider nichts Neues.
Als ich jedoch am Montag die Zeitung in Händen hielt,las ich da auf dem Titel Folgendes:

Bilder oder Fotos hochladen

Man beachte bitte das Datum.
Es war noch nicht einmal Heiligabend; der Tag der Bescherung, nein, nein! Bereits im Vorfeld wird man darüber aufgeklärt, wie man z.B. bestmöglich Oma´s mit Liebe gestrickten Pulli ganz schnell wieder los wird. Oder die Kette, für die sich der Partner ggf stundenlang die Beine in den Bauch gestanden hat in dem vorweihnachten Chaos der Innenstädte.

Wertschätzung, Anerkennung der eigentlichen Geste hinter dem Schenken?! Fehlanzeige. Hauptsache, man selbst kommt super bei der Sache weg…

Mich stimmt das nachdenklich.
Wie war das eigentlich damals mit Maria und Josef? Die hätten sich gefreut, einen warmen Platz zu finden, um das Kind auf die Welt zu bringen- und so wurde der Ort der Niederkunft Jesu ein kleiner Stall- zugig, vermutlich mit tierischer Gesellschaft und den dazu gehörigen Geruch. Nicht unbedingt ein Sinnbild des Luxus…und ich meine, dass sich die drei Weisen aus dem Morgenland mit ihren Gaben auch nicht um dessen Begehrtheit kloppten…

Nein, es muss nicht immer das große Festmahl sein.

Bei mir waren es heute zwei Frühlingsrollen aus dem Supermarkt. Bei Kerzenschein, ganz für mich. Und auch die Bescherung war übersichtlich: unter anderem eine Guten-Morgen-Tasse mit eingraviertem Namen. Leider falsch geschrieben, was mich schmunzeln lässt. Aber hey: da waren Menschen, die in Liebe an mich dachten. Das tut gut. Nicht nur zu Weihnachten. Genau das wünsche ich Euch:

Frieden im Herzen und authentische Menschen um Euch herum !!! Diese sind unbezahlbar.

Frost

Ganz kalt wird mir

als ich Dich höre.

Ganz kalt

und ich spüre:

Nein

es liegt nicht an meiner Erkältung.

Heiser bin ich

Und schlapp.

Du hörst es

jedoch:

Du schweigst

Dass  Schweigen so laut sein kann.

Das Gefühl einer ewigen Traurigkeit

in Deiner Stimme.

Und wieder

spüre ich

dass Du die Rolle

die Dir die Natur biologisch

vorgegeben hat-

nicht ausfüllen kannst.

Noch lange sitze ich da

den tutenden Hörer

in der Hand.

Und spüre sie

die leise Träne

auf meiner Wange.

………(© herzenslady/ ladyofromance)

 

 

Die Kunst des Zuhörens

“ Ein Präsident ist wie ein Friedhofsverwalter:

Er hat eine Menge Leute unter sich- aber keiner hört  zu! „

(Bill Clinton)

 

Ich wage es, hier noch einen Schritt weiter zu gehen und stelle die These auf, dass die meisten Menschen des heutigen, schnelllebigen 21. Jahrhunderts das Zuhören mehr oder weniger verlernt haben. Impliziert dieses doch, dass man sich die ZEIT nimmt, sich aktiv dem Gegenüber zuzuwenden.

Fließbandmentalität

Heute war mir mein Tag einfach zu laut.  Nicht unbedingt akustisch, viel eher vom Herzen her….

 

Im Job über 2 Std die älteren Leute bespaßt, um dann hinterher im Teilteam von der Vorgesetzten zu hören, dass da „noch mehr“ ginge. Am besten, während man noch fünf andere Dinge nebenbei tut. Logo.

Schneller, schneller, mehr, mehr !!!

Dann mit dem altersschwachen Fahrrad, mehr auf der Felge als aufm Reifen knapp 9 km heim- ziemlich k.o dann kurzer Zwischenstopp im Supermarkt, weil sowohl mein privater als auch der Einrichtungvorratsschrank recht leer sind- um an der Kasse zu merken, dass das geniale „Stecksystem“, welches ich zuvor mit dem Korb des Supermarktes (welchen ich allerdings vor der Kasse abstelle muss und nun nicht mehr nutzen kann, Sicherheitssiegel sei „Dank“) einfach nicht mehr hinkommt. Zudem zieht der Kassierer quasi im Lichtgeschwindigkeitstakt die Sachen über den Scanner, die kurze Ablagefläche („Dank“modernerer Architektur des Supermarktes wurden gut 50 cm weggkürzt) quillt über- und während er mir Betrag Eins ins Gesicht bellt mit einem Blick, der irgendwo zwischen desinteressiert und genervt tangiert, spüre ich schon die ersten unruhigen Kundenblicke hinter mir. 

Als ich dann noch „die Frechheit“( Blickinterpretation des Kassieres) besitze, und ihn darauf aufmerksam mache, dass auch die Einkäufe hinter der Abtrennung zu mir gehören, nur separat abzurechnen, ist es vollends vorbei. Während ich abwechselnd mit Leinenbeutel, Handtasche und Händen die Sachen versuche, ebenso schnell einzupacken, springt er plötzlich auf, greift einen Berg Lebensmittel und legt sie auf der Fensterbank ab. Mein Gesicht wechselt hier gleich eine Nuance ins Rote.  Als er mir auf dem Rückweg von seiner Schleppaktion mir dann noch zuruft (natürlich so laut, dass es die ganze Schlange mitbekommt) „Och wissen Sie, für so etwas hätten wir auch wunderschöne Einkaufswagen!“ (Achwas! Danke auch, da wäre ich ja NIE drauf gekommen!!….) entschuldige ich mich kleinlaut, mittlerweile knallrot (und fühle mich dabei wie ein Schulkind, das die Hausaufgaben nicht gemacht hat) und murmele etwas davon, dass ich mich da immer wieder verschätzte. Peinlich beschämt verlasse ich das Geschäft .

 

Daheim angekommen klingelt, kaum dass ich sitze das Telefon. Nö, jetzt bin ich mal nicht da. So!

ver-rückte Einzelhandelswelt

Es war Anfang August. Außentemperatur knapp 30 Grad celsius, Tendenz steigend.  Selbst das Atmen ist anstrengend, überall, wohin man sieht: schwitzende Gesichter.

Ich betrete zwecks Großeinkauf den Fabrikverkauf von Bahlsen- und komme mir vor wie im falschen Film:

Fast ein ganzer Gang voller Lebkuchen, Dominosteinchen, Spekulazius, Marzipankartöffelchen etc grinst mich an.

Ich bin so verwirrt, dass ich die Verkäuferin frage, ob ich zufällig im Kalender verrutscht sei und wir- ohne dass ich es gemerkt hätte- bereits im November oder gar Dezember gelandet seien.

Nee nee, meint sie. Alles in Ordnung. Aber die Leute- die Leute kauften das Kram eben schon jetzt. Die seien schon richtig heiß drauf……..

Öfter mal was Neues: Eisgekühlte Limo und dazu Lebkuchen… – wo aber, so frage ich mich, bleibt da der kulinarische Zauber, die „Vorfreude“ aufs Winterliche?!

Meinereiner bekommt schon ein schlechtes Gefühl, wenn sie erst Ende November das weihnachtliche Kram kauft.

Wahrscheinlich werde ich gleich in der City über Schneekehrer und dicke Handschuhe stolpern. Vielleicht singt auch ein Straßenmusiker „Jingle Bells“ oder so.

Man weiß es nicht.

Verrückte Welt.

 

Abgespült?

Manchmal, da kommen sie doch immer wieder:
Die Schreckmomente meines alten Lebens.
Unter der Dusche im Schwimmbad sehe ich mich stehen.
Immer wieder und wieder drücke ich den Duschknopf.
Schon längst bin ich gut durchnässt- schon längst könnte ich in die Schwimmhalle treten.
Und doch … ertappe ich mich wieder und wieder dabei… wie ich heimlich lausche. Lausche auf die Stimmen aus der Halle. Waren das nicht ihreStimmen?! Das aggressive, so unendlich fiese Lachen der Teenies von damals, die mir so böse Worte hinterher riefen?
„Fette Kuh!“ „Klumpfuß!!!“ oder verachtende Blicke- schon damals war ich unperfekt und bekam dies immer wieder zu spüren. Klitzekleine und doch so riesengroße Tritte gegen meine (Kinder-)Seele…
Zu gerne möchte ich flüchten- trotz dessen, dass das alles schon über 15 Jahre her ist, trotz allem, dass ich über ein Jahr zweimal in der Woche meine 1000 Meter durchziehe: Eine gewisse Rest-Angst bleibt.
Immer. Und weitere Verletzungen der jüngsten Wochen drohen, hoch zu kommen…
Doch dann kommt er; der rettende Engel: in Form einer freundlichen Dame, die gerade die Duschräume betritt und mich unendlich warm anlächelt.
Und ich…
ich lächle zurück, atme tiief aus, zupfe noch einmal nervös an meinem Badeanzug, fahre mir durchs Haar und… besiege meine Furcht.
Und ich habe das Gefühl, dass mein JA zu mir mich gleich tausendmals heller strahlen lässt.
Ich freue mich auf den Mann, der genau DAS zu erkennen vermag.
Fernab von irgendwelchen utopischen Schönheitsidealen.